Der Held meiner Jugend ist mein Held bis heute !

Es muss in den fünfziger Jahren gewesen sein, als mich der SPD-Vorsitzende und Antikommunist Rudi Marker mit den Büchern und Zeitungsartikeln von Albert Camus versorgte; als Schriftsteller hat Camus eine unter die Haut gehende Sprache, die bei mir mentale Schwindelanfälle auslöste. Camus lehnte den Kommunismus und jede Gewalt ab und stand damit im krassen Widerspruch zum politischen Main-Stream von Sartre und Konsorten, die sich nicht einmal dazu durchringen konnten, die Verbrechen Stalins und Maos zu verurteilen – ganz nach dem Motto: Wo gehobelt wird, fallen Späne. Auch für seine Literatur wurde Camus von den französischen Intellektuellen verachtet und gehasst – ganz besonders nachdem er den Nobelpreis erhielt.

Viele Jahre nach Camus Tod und nach dem Ende des Kalten Kriegs mutierten seine Gegner vom Marxismus zum Antitotalitarismus; man begann Camus Haltung zum Algerienkrieg, zum Kommunismus und zur Gewalt zu verstehen.

„Die Geschichte hat ihm recht gegeben. Das Zeitalter der Ideologen mit seinen Lügen und seiner Heuchelei ist zu Ende. Camus erkannte die Entmenschlichung der linken wie rechten Politik. Er wollte Gerechtigkeit und Freiheit.“ (Michel Onfray)

Camus stand immer auf der Seite der Entrechteten und Armen; für ihn waren Werte wie Treue, Bescheidenheit, Aufrichtigkeit, Ehre und Würde wichtig. Der Vater von Camus war Landarbeiter und seine Mutter Putzfrau; ich werde nie seine warmherzigen und anrührenden Worte vergessen, die er über seine Mutter geäußert hat.

„Der Dichter unserer Jugend ist neu zu entdecken und man muss Sartre vergessen, um Camus wieder zu lesen. Als Philosoph einer zeitgenössischen Ethik der Verantwortung aller. „Die Pest“, „Der Fremde“ und „Der erste Mensch“ sind unsterbliche Romane der menschlichen Existenz.“ (Jürg Altwegg/FAZ)

Für Albert Camus war auch der Journalismus eine Frage der Moral: „Ein freier Journalist veröffentlicht nichts, was den Hass schüren oder die Verzweiflung fördern könnte. Wahrheit und Freiheit sind anspruchsvolle Geliebte, die nur wenige Liebhaber haben.“

Macha Sèry: „Wie der Fußball und das Theater war der Journalismus für Camus eine menschliche Gemeinschaft, in der er sich entfalten konnte, eine Schule des Lebens und der Moral.“

„Camus und der Fußball, das war Hörigkeit. Am glücklichsten sei er auf der Bühne und auf dem Fußballplatz. Es war der Sport der kleinen Leute, billig und prestigelos, aber ein wenig ebnete er doch die Klassenunterschiede ein und die Kluft zwischen den Völkern. In der Schule zu spielen, hatte seine Großmutter verboten, weil sich die Schuhe abnutzten. Er spielte trotzdem; zwischendurch war er Torwart; das zubetonierte Viereck, wo Camus so glücklich war, liegt an der Straße; der Torwart spielt barfuß; die Jungs kicken wie die Teufel; Fußball ist ein Kleine-Leute-Sport geblieben.

Er spiele aus Freude am Sieg nach der Anstrengung, hat Camus gesagt, und „wegen des absurden Drangs zum Weinen bei Niederlagen.“ (S.Z.)

Zitat aus „Der erste Mensch“ – Seite 190: „Mit den Fußballbegeisterten rannte er auf den zementierten Hof, der auf allen vier Seiten von Arkaden mit dicken Säulen umschlossen war (unter denen die Streber und die Braven plaudernd auf und ab gingen), und wenn er mit dem Ball am Fuß voranstürmte, um nacheinader einem Baum und einem Gegner auszuweichen, fühlte er sich wie der König des Hofs und des Lebens.“

„Aber letzten Endes war da nur das Geheimnis der Armut, die Menschen ohne Namen und ohne Vergangenheit hervorbringt.“ (Aus: „Der erste Mensch“)

Annabelle Hirsch: „Eines Tages, als der Regen von Algier endlich aufhört und er die Absperrungen um die Ruinenstätte von Tipasa einfach übergeht, findet er das Licht und die Luft und das Rauschen des Meeres von früher wieder und hat das Gefühl, sein lange stillgestandenes Herz beginne neu zu schlagen. Er findet die frühere Schönheit wieder, als würde sie sich hier jeden Tag neu erfinden. Und dann sagt er den Satz, der klingt wie das Ende einer Suche, die fast sein ganzes Leben dauerte:

„In den Tiefen des Winters erfuhr ich schließlich, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer liegt.“

Liebe Leser, ich möchte mit einigen Zitaten versuchen, meine Camus-Begeisterung zu vermitteln:

„Der Kalte Krieg trennte Frankreich in zwei unversöhnliche Lager. Die Kultur und die Intellektuellen standen links, waren Mitglieder der kommunistischen Partei oder zumindest ihre Weggefährten. Sartre verniedlichte den Gulag mit dem Hinweis auf die fehlenden Gaskammern (!!!). Camus bekämpfte den roten Totalitarismus.“

„Am Tag nach den Nürnberger Prozessen forderte Camus die Abschaffung der Todesstrafe. Im Spätsommer 1945 hatte Albert Camus als einziger prominenter französischer Intellektueller die Bedeutung und Bedrohung der Atombombe erkannt. In der im Widerstand gegründeten Zeitung „Combat“ reagierte er nach Hiroshima voller Entsetzen auf den größten „Vernichtungsrausch der Menschheit.“

„Camus erkannte die Entmenschlichung der linken wie der rechten Politik. Gerechtigekit ohne Freiheit führt zum Faustrecht des Stärkeren. Camus wollte die Freiheit u n d die Gerechtigkeit.“

„…. es kann schwerlich behauptet werden, die Todesstrafe sei dazu angetan, ihrer eigentlichen Aufgabe getreu mehr Frieden und Ordnung in das Gemeinwesen zu bringen. Es wird im Gegenteil deutlich, dass sie genau so empörend ist wie das Verbrechen und dass dieser weitere Mord die der Gesellschaft zugefügte Beleidigung nicht nur nicht wiedergutmacht, sondern durch eine neue Schmach verschärft. Wie wahr diese Feststellung ist, geht aus dem Umstand hervor, dass niemand offen von dieser Zeremonie zu sprechen wagt.“

„Camus bietet das Antiserum zur Fernsteuerung des Lebens: Du bist auf dich allein gestellt – und das nicht im anarchistischen, sondern im verantwortungsvollen, zur Welt stehenden Sine; darin liegt die Sprengkarft seines Denkens.“

Eine ganz wichtige Äußerung von Albert Camus darf ich als Fußball-Verrückter natürlich nicht verschweigen: „Alles was ich weiß über Moral und Gerechtigkeit verdanke ich dem Fußball.“

Albert Camus war auch ein großartiger Journalist; ich empfehle Ihnen sehr seine ins Deutsche übersetzten Bücher „Journalist in der Rèsistance“ (Laika Verlag Hamburg)

Fortsetzung in etwa vier Wochen.


 

Zur aktuellen Lage

= Mister Trump macht eine pro-europäische Politik ! Je mehr Trump internationale Verträge wie das Klimaabkommen ignoriert und je mehr die USA den internationalen Wirtschaftsbeziehungen schaden und je mehr die USA einer umfassenden europäischen Friedensordnung im Weg stehen und stattdessen die Nato-Osterweiterung vorantreiben und je länger die USA eine stabile friedliche Lösung im Nahost-Konflikt (vor der Haustür Europas) hintertreiben – desto mehr werden fast alle europäischen Regierungen daran arbeiten, sich von der Abhängigkeit der USA zu lösen und eine eigene europäische Verteidigungsgemeinschaft zu gründen. Ich bin überzeugt, dass Politiker wie Merkel und Macron schon daran arbeiten.

Die nach der Wiedervereinigung gutnachbarschaftlichen Beziehungen zu Russland haben gelitten, auch weil die USA und einige europäische Länder versuchen, Russland zu isolieren. Die Amerikaner dürfen keine Waffen mehr in die Ukraine liefern und die Russen müssen sich aus der Ostukraine zurückziehen. Wir brauchen eine gesamteuropäische Friedensordnung und ein Freihandelsabkommen einschließlich Russland. Und wir müssen Massenvernichtungswaffen beseitigen oder reduzieren oder unter die Kontrolle der UNO stellen.

Das alles spricht nicht dagegen, mit den USA eine friedliche und durch verbindliche Verträge abgesicherte Partnerschaft zu leben.

= Seit den erschreckenden Erfolgen der AfD ist die ebenso gefährliche Linkspartei in das Lager der „Guten“ eingerückt. Die üblichen links/grünen Medien trommeln jetzt für eine Zusammenarbeit der CDU mit der Linken. Bei der ZEIT heißt die Schlagzeile: „Mehr Ramelow wagen. Die CDU sollte sich trauen, in Thüringen mit der Linken zusammenzuarbeiten.“ Mit scharfen Worten hat der Bundesgeschäftsführer der Grünen die Absage der CDU an die Linke in Thüringen kritisiert; dieser Herr Kellner sagt: „Man kann Linke und AfD nicht in einem Atemzug nennen.“ Nein ! Man m u s s sie in einem Atemzug nennen !! Wolf Biermann bringt es auf den Punkt: „Wenigstens aus einem Rest von alter, naiver Nostalgie sollten die Grünen nicht gemeinsame Sache machen mit den totalitären Untoten der Stalinzeit.“

= Von allen möglichen Ignoranten ( von der Linkspartei über die Süddeutsche Zeitung bis hin zu linken Ökonomen) kommt ständig die Forderung an die Bundesregierung: “ Die Bundesregierung muss mehr investieren „. In seiner sachlichen Art hat der Bundesfinanzminister Scholz darauf hingewiesen, dass der Bund inclusive Klimaschutz in den nächsten zehn Jahren 550 Milliarden Euro investieren wird.

= Mediziner fordern ein Verbot von Smart-Phones für Kinder bis 12 oder 14 Jahre, weil sie mit der digitalen Übersättigung deren Gehirne schädigen und das geistige und seelische Wohl gefährden. Für diese Kinder ist ein nicht internetfähiges Handy für familiäre und schulische Online-Angebote sowie ein hochwertiges Musikabspielgerät das Richtige.

= Mathias Brodkorb (MdL der SPD in Mecklenburg-Vorpommern) in der NZZ: „Ostdeutschland droht die wirtschaftliche Schrumpfung. Lösen lässt sich dieses Problem nicht dadurch, dass die ostdeutschen Länder weitere Almosen vom Bund verlangen und sich im Modus des Jammer-Ossis einrichten. Erforderlich wäre stattdessen eine Modernisierungsstrategie, die sich mit Macht nicht auf die Ausweitung sozialer Wohltaten, sondern auf die Stabilisierung der Fachkräftesituation stürzt. Ohne gezielte Zuwanderung wird sich die wirtschaftliche Entwicklung nicht stabilisieren lassen. Die Ossis müssen sich entscheiden: Wollen sie unter sich bleiben oder wollen sie wirtschaftlich an den Westen anschließen und sich für die Welt öffnen ?“

= Die Staatssekretärin im Familienministerium von NRW heißt Serap Güller, ist als Kind von Gastarbeitern in Deutschland geboren und schreibt in der FAZ: „Unser Grundgesetz verdient als das Fundament unseres Zusammenlebens eine stärkere Würdigung. Allein schon, weil es mit seinem identitätsstiftenden Charakter das Zusammenrücken verschiedener Gruppen bewirken kann, die unter den Farben Deutschlands zusammenfinden: Schwarz-Rot-Gold, die im Artikel 22 unserer Verfassung und für Einigkeit, Freiheit und Demokratie stehen. Darauf kann und darf man stolz sein.“

= Ein gewisser Jörg Krämer ist Chefökonom der Commerzbank, die nach der Finanzkrise bis heute mit Erfolglosigkeit glänzt und deren Aktionäre Milliarden an Wertverlusten hinnehmen mussten. Es ist wirklich ätzend, dass ausgerechnet solche Versager ständig die Nullzinspolitik der EZB schlecht reden. Ein letztes Mal: Die EZB hat den Euro und die EU vor dem Untergang gerettet !!

Liebe Leser, die folgende Titelseite des Handelsblatts fasst zusammen, was Medien so alles zusammenschmieren: Einen gefährlichen Abschwung, der nicht kommen wird und eine Bundeskanzlerin, die ratlos in den Untergang blickt:

 

Kluge Worte

= Glück und Erfolg werden einem nur vergeben, wenn man großmütig einwilligt, beide zu teilen. (Albert Camus)

= Aber ohne Freiheit auch kein Sozialismus, es sei denn der Sozialismus der Galgen. (Albert Camus)

= Ich habe noch keinen gesehen, der moralischen Wert liebt ebenso, wie er die Frauenschönheit liebt. (Konfuzius)

= Es gibt eine einzige Rettung, die einzige für eine müde Seele: die Liebe zu einem anderen Menschen. (Josè Ortega y Gasset)

= Für ein Lächeln brauchst du nur halb so viele Muskeln wie für ein Stirnrunzeln. Und außerdem macht es doppelt so viel Spaß – dir und den anderen.

= Probleme sind verkleidete Möglichkeiten.

= Egal wie dicht du bist. Goethe war Dichter.

= Taten sind Früchte. Worte sind Blätter.

= Der Mensch ist ein Teil des Ganzen, das wir „Universum“ nennen, ein in Raum und Zeit begrenzter Teil. Er erfährt sich selbst, seine Gedanken und Gefühle als getrennt von allem anderen – eine Art optische Täuschung des Bewusstseins. Diese Täuschung ist wie ein Gefängnis für uns, das uns auf unsere eigenen Vorteile und auf die Zuneigung zu wenigen uns Nahestehenden beschränkt. Unser Ziel muss es sein, uns aus diesem Gefängnis zu befreien, indem wir den Horizont unseres Mitgefühls erweitern bis er alle lebenden Wesen und die gesamte Natur in all ihrer Schönheit umfasst. (Albert Einstein)

= Die Energie und die Kraft, die man einsetzt, um etwas zu erreichen, stehen in keinem Verhältnis zu dem, was dabei rauskommt. In keinem Fall. Das ist das erste. Das zweite: Im Prinzip ist nichts verloren, auch wenn es nicht so geworden ist, wie wir dachten. (Alisa Fuss)

= Wollen wir Probleme lösen, brauchen wir einen Bewusstseinswandel in uns, nämlich die Verlagerung der Aufmerksamkeit vom Kopf zum Herzen.“ (Deepak Chopra)

= Wenn man zwei oder drei Menschen hat, aber was sage ich denn, wenn man nur einen einzigen Menschen hat, dem gegenüber man schwach, armselig und zerknirscht sein darf und der einem dafür nicht weh tut, dann ist man reich.

 

Inkompetent u. verlogen

Die folgende Titelseite vom „Manager Magazin“ erschien im März 2019 und ist mit dem apple und dem Fallobst richtig witzig; wahrscheinlich haben sich die Redakteure gegenseitig Komplimente gemacht. Wen interessiert da noch, dass die Fakten in eine völlig entgegengesetzte Richtung weisen und dass die Leser regelrecht betrogen werden ?

Apple hat schon vor Jahren realisiert, dass die einseitige Abhängigkeit vom Erfolg des iPhones gefährlich ist und hat eine Reihe anderer immer populärer werdender Produkte eingeführt – z.B. die AirPod-Kopfhörer, die Computer-Uhr Apple Watch, den Bezahldienst Apple Pay und die Musikplattform Apple Music. Die Umsätze des letzten Quartals reden Klartext:

  • Der Umsatz mit dem iPhone fiel um 9 Prozent auf 33,4 Milliarden Dollar.
  • In der Dienstleistungssparte stieg der Umsatz um 18 Prozent auf 12,5 Milliarden Dollar.
  • In der Sparte „Wearables“ mit den am Körper „tragbaren“ Kopfhörern und Uhren stieg der Umsatz um 54 Prozent auf 6,5 Milloarden Dollar.
  • Insgesamt stieg der Umsatz in diesem Quartal (!!!) um zwei Prozent auf 64 Milliarden Dollar. Der Umsatz für das Gesamtjahr 2019 wird bei etwa 260 Milliarden Dollar liegen.

Der Aktienkurs von Apple ist in den letzten 52 Wochen von 125 Euro auf jetzt 225 Euro gestiegen und seriöse Analysten erwarten eine weitere Steigerung auf 270 Euro.

Das Manager-Magazin ist nicht einmal mehr Fallobst – sondern schon lange von Würmern aufgefressen.

 

Fusball: Das Land des Lächelns !!

Am Wochenende bin ich in Panik geraten. Ich hatte mich mit einigen Zeitungen und Zeitschriften eingedeckt und freute mich auf die Lektüre und die vielen Fußballspiele im Fernsehen. Dann musste ich im Handelsblatt und in den anderen Zeitungen lesen, dass Deutschlands Wirtschaft vor dem Abgrund steht, dass die Regierungskoalition in Berlin zerbricht und wir vor Neuwahlen stehen, die uns mit der AfD und der Linken ins Verderben stürzen. Für den SPIEGEL war wie immer klar, dass Frau Merkel für unseren Untergang verantwortlich ist und dass der Bundestag sofort neu zu wählen ist. Seit Monaten erzählen uns die Medien, dass Deutschland sich in einer Rezession befindet und dass es weiter abwärts geht. Wir haben k e i n e Rezession !!! Auf sehr hohem Niveau wird Deutschland auch im laufenden Jahr einen Zuwachs erreichen. Unserem Land geht es gut ! Trotz einiger Probleme mit Handelskrieg und Syrien und der Türkei und der rasanten Umwälzung der Autoindustrie und der Klimadebatte u.a.m. realisiert Deutschland in diesem Jahr das höchste Bruttosozialprodukt mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit und der höchsten Beschäftigtenzahl und einem Sozialbudget von fast einer Billion Euro. Kein Land hat so viele Flüchtlinge aufgenommen wie wir. Deutschland unterstützt dutzende arme Länder mit effektiver Entwicklungshilfe und ist an vielen Brennpunkten der Welt vermittelnd tätig. In den meisten Ländern der Welt wird Deutschlands Wirtschaft und werden deutsche Politiker (vor allem Frau Merkel) respektiert und manchmal bewundert.

Ich habe die Schnauze voll und werde keinerlei Medien mehr zur Kenntnis nehmen (mindestens für ein paar Tage). Fussball ist die Rettung ! Gibt es etwas Schöneres ? Die Spannung in allen Ligen ist größer denn je ! Die 1. Bundesliga stellt alle Prognosen auf den Kopf ! Die Trainerwechsel füllen ganze Seiten und der Tratsch blüht ! Uli Hoeneß bereut seine Entscheidung, in Rente zu gehen und liefert der BILD Munition und Herr Rummenigge lässt uns immer noch auf den ersten intelligenten Satz aus seinem Mund warten. Der sympatische Club aus Mönchengladbach steht an der Spitze und Köln kämpft schon wieder gegen den Abstieg ! Das alles ist filmreif und Hollywood ist nichts dagegen !

Schauen Sie mal in die vierten Ligen ! Auch da geht die Post ab ! Ehemalige Bundesligisten und Großvereine kämpfen mit Dorf-Vereinen um den Aufstieg ! Warum spielen Heidenheim und Sandhausen seit Jahren in der 2. Liga und die 500.000-Einwohner-Stadt Essen zwei Ligen darunter? In der 3. Liga kann jeder jeden schlagen und Auf- und Abstieg bleiben bis zum Schluss ein offenes Rennen !

Auf meinem neuen Riesenfernseher genieße ich die Spiele mehr denn je – auch weil die neuen Techniken ermöglichen, dass die schönsten und aufregendsten Szenen in extremer Zeitlupe mehrfach wiederholt werden; außerdem kann ich mit meinem überragenden Fußball-Verstand die Spielzüge und Taktiken der Trainer beurteilen und daraus lernen. (Wer weiß ? Vielleicht werde ich ja nochmal gebraucht !)

Dazu passt eine kleine Geschichte aus meiner Augsburger Zeit:

Bevor der F.C. Augsburg in die 1. Bundesliga aufstieg waren meine Nerven so angegriffen, dass ich unsere Spiele weder im Stadion noch im Fernsehen anschauen konnte. Bei dem folgenden Interview geht es um das letzte entscheidende Spiel, das den Aufstieg perfekt machte:

Frage: „Verraten Sie uns doch bitte, was Sie am 8. Mai 2011 um 15.14 Uhr gemacht haben und was in diesem Moment in Ihnen vorgegangen ist.“

Seinsch: „Ich war auf dem Weg von Lindau nach Augsburg, bin um 15.14 Uhr von der Autobahn auf einen Parkplatz gefahren, habe Bayern 3 eingeschaltet und in diesem Moment von Stephan Hains Siegtor erfahren. Dann ab ins Auto und mit Tempo 200 nach Augsburg ! Ich fühlte mich wie in einer von zwölf Jungfrauen getragenen Sänfte, in der mir mit Palmwedeln Siegerluft zugewedelt wurde.“

„Die Fans lieben Sie auch wegen Ihrer Volksnähe. Legendär ist Ihr Zitat, als Sie nach einem Fantreffen meinten: „Und jetzt könnt ihr mich alle am A…… lecken, jetzt sauf ich mir die Hucke voll“. Sterben im Fußball langsam die Typen aus ?“

„Ihr könnt ruhig das Wort „Arsch“ ausschreiben, das gehört seit unserem größten Dichter zum Sprachkanon. Auf mich hat das Wort Volksnähe eine lustige Wirkung, weil ich in meinem Leben immer „Volk“ war. Und ihr könnt ganz beruhigt sein, ich kenne in vielen Clubs wunderbare „Typen“, richtige Arschlöcher, würde ich es formulieren, die sterben nicht aus.“

„Zur Feier des Tages gibt es diesmal sechs Fragen. Was wünschen Sie sich für die neue Saison, was für die Zukunft ?“

„Sexfragen oder sechs Fragen ? Wenn es um Sex geht, dann bitte ich alle den Präsidenten eines Erstligisten anhimmelnden Damen um Verständnis wegen meines fortgeschrittenen Alters. Ansonsten habe ich immer noch den großen und innigen Wunsch nach Solidarität im Club und in der Arena. Nur wenn wir zusammenhalten in Sieg und Niederlage, in guten und in schlechten Zeiten, nur wenn wir die Mannschaft immer unterstützen, nur wenn niemand in der Arena pfeift – nur dann hat der FCA eine große Zukunft. Und nur dann ist der FCA ein besonderer Club.“

 

Kirchen stiften Frieden

„In vielen Ländern haben Kriege, Unruhen und organisierte Verbrechen die Grundlagen des Zusammenlebens zerstört. Die Kirchen helfen, Konflikte gewaltfrei zu bearbeiten, sie kümmern sich um Opfer, Gefährdete und Traumatisierte.“ (chrismon) Beispiele:

  • Ruanda: Vor 25 Jahren, beim größten Genozid nach dem 2. Weltkrieg, starben hier 800.000 Menschen, vor allem Tutsi. Beide christliche Kirchen machten sich schuldig. Heute arbeiten sie daran, dass Täter und Opfer wieder zusammen leben können.
  • Mosambik: Der katholischen Laienbewegung SantEgidio gelang es 1992, nach 16 Jahren Bürgerkrieg, zwischen Regierung und Opposition zu vermitteln. Der Frieden ist bis heute fragil. Aber das einst verarmte Land zählt zu den wirtschaftlichen Hoffnungsträgern Afrikas.
  • Philippinen: Das "Mindanao Peacebuilding Institute", 2000 von Katholiken und Mennoniten gegründet, bildet Friedensfachkräfte aus. In Konfliktregionen wie Mindanao, wo sich Muslime seit Jahrzehnten an den Rand gedrängt fühlen, helfen MPI-Fachleute Terroropfern, erkunden, warum radikale Gruppen Zulauf haben, und vermitteln.
  • Irak: Das 2002 gegründete mennonitische Christian Peacemaker Team gehörte zu den Ersten, die über den Folterskandal von Abu Ghraib berichteten. 2005 wurden vier Aktivisten entführt, einer von ihnen ermordet. Bis heute erarbeiten die Peacemaker mit Kurden in Sulaimaniyya Techniken gewaltfreier Konfliktberatung.
  • Deutschland: Die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, gegründet 1958 auf einer EKD-Synode, entsendet junge Menschen in Länder, die besonders unter der NS-Herrschaft gelitten haben. Sie leisten Versöhnungsarbeit mit Überlebenden, in Gedenkstätten, in Antirassismusprogrammen.
  • Nigeria: Die Friedenskirche Church of the Brethren unterstützt Opfer der Terrorgruppe Boko Haram. Über 14 Millionen Menschen waren bis 2017 betroffen. Vertriebene müssen neu angesiedelt und versorgt, Traumatisierte betreut werden.
  • Italien: Die evangelischen Waldenser und die katholische Laienorganisation Sant Egidio haben mit der Regierung humanitäre Korridore vereinbart:  Syrische Bürgerkriegsflüchtlinge kommen so auf sicherem Weg nach Europa und finden eine Zukunft.
  • Kolumbien: Seit 2016 ist der Bürgerkrieg, der 250.000 Tote forderte, offiziell beendet: Doch die Drogenmafia mordet weiter. In einem Friedenshaus in Medellin übt die kleine Iglesia Lutherana gewaltfreie Erziehung ein, schützt Menschenrechtler und gibt Jugendlichen eine Perspektive.
  • El Salvador: Gegen organisierte Kriminalität und häusliche Gewalt: Seit 2014 arbeiten Quäker im Aternatives to Violence Project mit Jugendlichen aus Gangs, Bürgerkriegsüberlebenden und Behinderten, die besonders gefährdet sind.
  • Mexiko: Drogenkartelle und korrupte Beamte bedrohen das Leben von über 70.000 Zivilisten, vor allem von Menschenrechtlern. Die unbewaffneten Begleiter von Peace Brigades International versuchen, sie zu schützen. Viele Kirchen und kirchliche Hilfswerke unterstützen das Projekt.
 

Nur ein Vogelschiss

= Adam Karwowski, Pfleger HKB Stammlager, Auschwitz: „Der Angeschossene lag schon fast in Agonie. Er wurde in den Operationssaal gebracht. Boger gab den Befehl, ihn sofort zu operieren und ihm das Leben zu retten. Der Häftlingsarzt der chirurgischen Abteilung sagte, er glaube nicht, dass noch etwas zu machen sei, der Patient liege ja schon in Agonie. Daraufhin antwortete Boger: „Er muss gerettet werden, damit er aufgehängt werden kann.“

 

Bildungs – Stadl

Kann mir das bitte jemand erklären ?

= „Mehr Moderne, mehr Zeitgenossen, mehr Eklektizismus: die zehnte Ausgabe der Münchner „Highlights“. (S.Z.)

= „Heute misst er den fehlenden individuellen Entfaltungsmöglichkeiten und dem Ennui der unter Ereignislosigkeit leidenden Gesellschaft hinter der Mauer eine katalytische Wirkung bei….“ (FAZ)

= „Die Gig Economy schafft neue hybride Beschäftigungsformen…….“ (S.Z.)

= „Ein Pageturner“ – SWR 2 über ein Buch.

= „Handke nahm die Kritik an den bukolischen Zügen seiner Reise…..“ (S.Z.)

= Die S.Z. über die Mode- und Klatschzeitschrift „Vogue“: „Mit einer Ausstellung feiert die deutsche „Vogue“ 40. Geburtstag. Eskapismus war immer ihr Geschäft. Die gesellschaftlichen Prozesse, aus denen Mode hervorgeht, hat sie aber nie aus den Augen verloren.“

= Das neue Modewort heißt „Diskurs“. Ist das identisch mit „Diskussion“ ?

= Buchkritik in der FAZ: „Unsere Dystopie ist ihre Realität“.

= „Pathosfrei vergegenwärtigt er eine Entwicklung ohne Ziel, ohne Telos.“ (Kommentar: Den Begriff Telos im Duden gesucht und nicht gefunden)

= „Die kahle feststellende Manier seines musivischen, Welten erschaffenden Stils, sein Sinn für Abgrund und Groteske, sein mutiger Blick aufs Ganze und auf das Einzelne, das sich zum Ganzen nicht fügt – all das enthüllt die kurrenten Debatten zu Flucht und Vertreibung als geschichtspolitischen Wortmüll.“ (S.Z.)

= Elke Schmitter überschreibt ihre wöchentlichen Artikel im SPIEGEL mit „Besser weiß ich es nicht.“ Gleichzeitig dokumentiert sie mit ihren Texten ihre Bildung. Z.B.: „…… ein Vordenker der neuen Rechten, mit deren ungustiösen Reflexionen sich zu befassen allenthalben empfohlen wird.“

= „Nach den frechen „Känguru-Chroniken“ ist Marc-Uwe Klings Cyber-Dystopie „Qualita Land“ ein Balanceakt ……“ (Fundstück)

= „Es fehlen die Darstellungen der idealen, zu ponderierter Freiheit erweckten Menschen.“ (Fundstück)